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Der städtische Wettbewerb zum Wandbild im Schulhaus Wylergut und die öffentliche Ankündigung der Wandbildabnahme haben unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Ausgewählte Stimmen geben wir hier wieder, um die Debatte zum Wandbild und zur Wandbildabnahme zu dokumentieren. Die Zitate sind chronologisch geordnet. Der Verein Das Wandbild muss weg! distanziert sich von unsachlichen und verletzenden Äusserungen und begrüsst differenzierte Analysen sowie Stellungnahmen, die von Rassissmus betroffenen Menschen und Kollektiven verfasst sind.

3. Januar 2023, SRF2 Kultur
Thomas Pauli-Gabi, Direktor Bernisches Historisches Museum
Meine erste Reaktion war: Jetzt werden wir zur Entsorgungsstelle von unliebsamer Kunst, das kann es ja nicht sein. Beim weiteren Überlegen habe ich dann gedacht: Eigentlich ist das eine Chance für uns, weil wir dieses Bild zum Thema Koloniale Verflechtungen Berns – in der Geschichte – und zum Thema Rassismus – sehr aktuell! – in einer Ausstellung zeigen sollten. Das wissen die Wenigsten: wir haben die drittgrösste Ethnografische Sammlung in der Schweiz in unserem Haus und da stellen sich natürlich viele Fragen rund um die koloniale Vergangenheit.
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7. Mai 2021, Strassenmagazin Surprise
Fatima Moumouni, Projektteammitglied und Spoken Word Poetin
Restauratorisch ist unser Vorschlag absurd: Diverse Restaurator*innen sagen, es ginge gegen das Arbeitsethos, ein Kunstwerk durch die Abnahme mutwillig zu gefährden. Das Ganze wird auch ziemlich teuer, das finde ich selbst absurd. Von mir aus könnte man es auch einfach überstreichen und ein neues Bild malen, doch da wären einige Leute beleidigt.
Also wählen wir den verrückteren, dafür nachhaltigeren Weg: Die Diskussion ins Museum tragen, da wo antiquiertes hingehört, um pluralistisch über Kunst, Erhaltenswertes und rassistische Stereotypen sprechen, während die Kinder nicht weiter mit dem Thema behelligt und vor allem nicht mehr mit dem N-Wort alphabetisiert werden. Für mich macht das Sinn, für diverse Leute ist es vollkommen unnötig, reaktionär und laut einem Zeitungsartikel in der Zeitung Der Bund absurderweise mit der Bücherverbrennung der NS-Zeit gleichzusetzen.
Lieber verrückt, als normal im Sinne einer Gesellschaft, die sich nicht ändern und auf keinen Fall hinterfragen will.
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2. April 2021, Der Bund
Hans Witschi, Journalist
In wessen Namen reden die ‹Das Wandbild muss weg!›-Leute? Die Selbstgerechten und ihrer Meinung nach zu Recht Empörten? Im Namen der Allgemeinheit? Statt zu sagen, das geht nicht, lässt man die Gründung eines Vereins zu mit diesem Namen und stattet ihn noch quasi mit ‹Betriebskapital› aus, mit öffentlichen Geldern notabene. Und bestätigt den Beteiligten die Legitimität ihres Tuns, indem man sie in ein offizielles Diskussionsforum einbindet. Das ist ein Skandal. Kaum zu fassen ist ebenso, dass der Gemeinderat für Kunstschändung und Kunstzerstörung Verständnis aufbringt, weil sie angeblich ‹gut gemeint› war.
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27. März 2021, Journal B
Christoph Reichenau, Journalist
Zugespitzt könnte man sagen: Der eigentlich kolonialistische Akt ist nicht das Bild (dem damaligen Zeitgeist oder dem Offenheitsabsicht der Künstler geschuldet), sondern der Umgang von Jury und Kommission mit der Schule und dem Wylerdörfli. Man nimmt ihnen etwas weg, obwohl sie einen konstruktiven Umgang damit gefunden haben. (...)
Wir brauchen weder Urteilende ohne Selbstzweifel, noch Fachleute, die alles zu wissen meinen. Wir benötigen in der schwierigen Frage des Umgangs mit einem neu einzuschätzenden und zu erklärenden Kunstwerk Einfühlung und Pragmatismus. Das wäre radikal – nicht ein bilderstürmerisches «Weg!», das der wahren Frage durch Abschiebung billig ausweicht.
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21. März 2021, Black Switzerland Online Archive
Black Switzerland Online Archive
Wer hält solche rassistischen Symbole in der Öffentlichkeit für erhaltenswert? Und für wen sind sie erhaltenswert? Statuen, Bilder sowie Orts- und Strassennamen, die rassistische und koloniale Geschichte und heutige Realitäten aufrechterhalten wurden historisch von Menschen in Machtpositionen getragen. Wir lehnen nicht nur die rassistischen Bilder und Symbole in Schulen, sondern auch kolonialistische Bildung ab. Wir stellen den Status Quo in Frage, indem wir den Müll entsorgen. Diese Spuren einer tödlichen Vergangenheit, die nicht nur Vergangenheit ist, muss von unserem sichtbaren Umfeld entfernt, und in entsprechenden Archiven verwahrt werden. In den Archiven sollen diese Symbole in einer Weise kontextualisiert werden, dass anstelle der heutigen Entmenschlichung und Entwürdigung rassifizierter und minorisierter Gruppen die Geschichte der rassistischen Institutionen in der Schweiz sowie des Widerstandes klar gezeigt werden. Jene, die diese rassistischen Wandbilder übermalt haben, machten von dem perfekten Ansatz Gebrauch, um unser Schulsystem sowie alle Institutionen zu entkolonialisieren: Schulen als öffentliche Einrichtungen, in denen alle Gruppen anwesend sein, mitmachen, lernen und gedeihen können. Schulkinder sind nicht länger dazu gezwungen, an einer Wand entlangzulaufen, die Entmenschlichung und Gewalt verherrlicht. Stattdessen werden sie an den Widerstand jener Menschen erinnert, die strukturellem und schulischem Rassismus gegenübergetreten sind.
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20. März 2021, Der Kleine Bund
Martin Bieri, Journalist
Warum ist die Verschiebung ins Museum nötig? Bilder konservieren Unrecht und manchmal reproduzieren sie es. Im Fall des Wandbildes von Eugen Jordi und Emil Zbinden ist das der Fall. Ganz besonders gilt das für ein Schulhaus, in dem längst Kinder unterschiedlicher Herkunft ein- und ausgehen und besonders verletzliche Menschen damit konfrontiert sind. In gewisser Weise erkennt dieser Befund sogar die Kraft der Kunst an, über die nicht einfach hinweggesehen werden kann. (...) Was aussieht wie eine Geste der Zerstörung, ist ein Angebot zur Versöhnung. Und ist es nicht das, was die eingangs gestellte Grundfrage, ‹wie heute mit kolonialem Erbe umgegangen werden soll›, beantwortet? Die Kunst kann Formen finden, die uns ermöglichen, zu den begangenen Fehlern zu stehen, ohne sie zu wiederholen, so schrecklich sie sind und so viele wir noch begehen werden. So werden wir, wie das Bild, dorthin kommen, wo wir noch nicht waren.
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9. September 2020, Kultur Stadt Bern
Wettbewerbsjury
Die Idee, im Schulhaus das Wandbild zu entfernen und eine Leerstelle zu schaffen, ist radikal, stellt Denkgewohnheiten und gesellschaftliche Normen in Frage und eröffnet neue Perspektiven. Hier stösst ein Kunstprojekt einen experimentellen, institutionellen Prozess an mit einer Vielfalt möglicher Gespräche und (struktureller) Auseinandersetzungen, die sonst so nicht stattfinden würden: in Medien und breiter Öffentlichkeit, in Politik und Stadtverwaltung, in der Schule Wylergut und in der pädagogischen Forschung, in der Disziplin ‹Kunst und Bau›, in kulturellen Institutionen und der Fachwelt von (Kunst-)geschichte, Denkmalpflege und Restaurierung. (...) Das Team geht mit dem Vorschlag an die Grenze des Machbaren, rüttelt an Begriffen wie Urheberschaft und Authentizität. Die geplante Intervention stösst einen ästhetischen und moralischen Prozess innerhalb der Gesellschaft an, um die bestehende Kultur des Vergessens und Verdrängens kolonialer Vergangenheit herauszufordern. Wäre dieser Prozess gescheitert, falls die Dislozierung nicht stattfinden könnte? Könnte auch ein Scheitern eine als erfolgreich zu beurteilende Wirkung haben? Gelten zivilgesellschaftliche Kampagnenstrategien als künstlerische Medien bzw. Praxis? (...) Insgesamt wertet die Jury die Forderung ‹Das Wandbild muss weg!› als gehaltvolles, radikales und zeitgemässes Statement, das Wege aufzeigt, um die im Wettbewerb gestellten gesellschaftspolitischen, kunstwissenschaftlichen, künstlerischen und pädagogischen Fragen kollektiv anzugehen.
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Die Wettbewerbsjury bestand aus:
Rohit Jain, Rassismus-Forscher und Kulturaktivist Institut Neue Schweiz INES
Jürg Lädrach: Schulleiter Lorraine/Wylergut
Kathrin Oester, visuelle Anthropologin und Migrationsforscherin, Pädagogische Hochschule PHBern (Prof. em.)
Yvonne Wilhelm, Künstlerin und Dozentin Zürcher Hochschule der Künste
Stanislas Zimmermann, Architekt und Mitglied Kommission für Kunst im öffentlichen Raum (KiöR) der Stadt Bern


17. Juni 2020, barrikade.info
Anonyme Aktivist:innen der Wandbildübermalung
Wir müssen unser Denken, Handeln und Leben dekolonialisieren. Wir leben in einer rassistischen Welt und das bedeutet jeden Tag dagegen anzukämpfen und nicht wegzuschauen. Solche Bilder und Wörter verletzen, reproduzieren und schmerzen. Warum wird das überhaupt von der Denkmalpflege geschützt? Warum ist das Werk von zwei verstorbenen, weissen Künstlern wichtiger als die unzähligen Stimmen von BIPoC (Black, Indigeneous and People of Color) die das Werk kritisieren und ansehen müssen?
Wir haben das N-, I- und das C- Bild übermalt. Wir wünschen den Lehrpersonen und den Schüler*innen Auseinandersetzungen mit den eigenen Privilegien und Unterdrückungen. Vielleicht ist es an der Zeit neue Fächer zu schaffen, die Beteiligung der schweiz an der Kolonialsierung anzuerkennen und sich aktiv damit auseinanderzusetzen.
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Im Oktober 2021 reagierten Fatima Moumouni und Bernhard C. Schär vom Projektteam zusammen mit Izabel Barros, Mardoché Kabengele und Dennis Schwabenland auf Kritik zu unserem Projekt. Mehr dazu hier.


Medienspiegel
Der Wettbewerb zum Wandbild und das Projekt Das Wandbild muss weg! wird seit Frühling 2019 in verschiedenen Schweizer Medien besprochen.
Artikel in Zeitungen und Zeitschriften

Oktober 2022, MIX Magazin für Vielfalt Graubünden
Von allem das Beste
Autor:in: Philipp Grünenfelder
Herausgeber: Amt für Migration und Zivilrecht Graubünden, Fachstelle Integration
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Juni 2021, Bern Aktuell
Stoppen wir die linke Zensur! Politisch korrekt – koste es was es wolle
Autor:in: Thomas Fuchs
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7. Mai 2021, Strassenmagazin Surprise
Moumouni … ist verrückt.
Autor:in: Fatima Moumouni
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20. April 2021, Aargauer Woche
Politisch korrekt – koste es, was es wolle
Autor:in: Thomas Fuchs
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2. April 2021, Der Bund
Das Wandbild muss weg! – Nein!
Autor:in: Hans Witschi
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27. März 2021, Journal B
Dekontamination und Entsorgung (Teil II)
Autor:in: Christoph Reichenau
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25. März 2021, Journal B
Dekontamination und Entsorgung (Teil I)
Autor:in: Christoph Reichenau
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20. März 2021, Der Kleine Bund
«Rassistische» Kunst in Berner Schulhaus – Ein radikales Angebot zur Versöhnung
Autor:in: Martin Bieri
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19. März 2021, Bernerzeitung
Rassismusdebatte soll via Museum geführt werden
Autor:in: Jürg Steiner
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19. März 2021, Der Bund
Umstrittene Wandmalerei – Das Wandbild soll ins Museum kommen
Autor:in: Regula Fuchs
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September 2020, TANGRAM
N wie …: Wettbewerb zum Kulturerbe der Kolonialzeit
Autor:in: Kathrin Oester
Der Text erschien in der 44. Ausgabe des Magazins TANGRAM der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus EKR
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20. August 2020, Berner Zeitung
Muss das rassistische Alphabet weg?
Autor:in: Jürg Steiner
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19. August 2020, Der Kleine Bund
Muss es weg? Darf es unsichtbar sein?
Autor:in: Martin Bieri
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2. Juli 2020, Der Bund
«Die Zensur zeigt auf das, was sie verbergen will»
Autor:in: Martin Bieri
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17. Juni 2020, Der Bund
Farbattacke gegen Wandbild – Stadt Bern verzichtet auf Strafanzeige
Autor:innen: pd/awb xxx
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16. Juni 2020, Der Bund
«Rassistisches Wandbild» – Stadt prüft Anzeige wegen anonymer Attacke
Autor:innen: Carole Güggi, Christian Zellweger
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6. September 2019, Berner Zeitung
Stadt begegnet kolonialem Rassismus mit Kunst
Autor:in: Jürg Steiner
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14. Mai 2019, Der Bund
Auf Ideensuche für das koloniale Erbe
Autor:in: Simon Gsteiger
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14. März 2019, Der Bund
L wie Lamm, M wie Muschel, N wie...
Autor:in: Simon Gsteiger
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Fernsehbeiträge

16. Juni 2020, TeleBärn News
Schulhaus Wylergut: «Rassistisches» Wandbild überschmiert


Radiobeiträge

3. Januar 2023, SRF2 Kultur
Blick in die Feuilletons: Mit Thomas Pauli-Gabi, Direktor Historisches Museum Bern
Interview mit Thomas Pauli-Gabi
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20. April 2021, Radio RaBe
Schoggi und Geranien: Die Koloniale Vergangenheit der Schweiz.
Interview mit Bernhard C. Schär
Beitrag anhören (ab Minute 31)


21. November 2019, SRF Kontext
Sensibilisierung im öffentlichen Raum
Sendung von Dagmar Walser, Bernhard Senn
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Artikel in wissenschaftlichen Publikationen

2. Dezember 2021, décodage
Denkmäler entfernen oder verlernen: Wie geht das?
Autor:innen: Philine Erni, Sarah Grossenbacher, Rachel Huber, Vera Ryser
Erschienen in: décodage – Blog der Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
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Stellungsnahmen aus dem Aktivismus

14. Juni 2021, barrikade.info
fight white supremacy
Autor:innen: Anonym
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21. März 2021, Black Switzerland Online Archive
Von rassistischen Symbolen und Widerstand
Autor:innen: Black Switzerland Online Archive
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